Jules Barnard Books
Brans Verführung
Brans Verführung
- Verklemmter Milliardär
- Kurvige Heldin
- Falscher Bruder
- Die rothaarige Ireland ist genau die Art von Frau, die Bran Cade nach den Fehlern, die er vor zehn Jahren gemacht hat, eigentlich meiden sollte. Aber als Ireland ihm auf der Resort-Bootsfahrt versehentlich in den Schoß fällt, wird nicht nur das Boot vom Wasser hin- und hergeworfen. Auch Brans Herz gerät ins Wanken.
Überblick
Überblick
Der falsche Bruder …
Ireland braucht dringend einen Neuanfang. Ihre Cousine überredet sie, es doch mal mit dem charismatischen Bad Boy zu versuchen, der ein schickes Boot und einen Körper zum Dahinschmelzen besitzt. Aber als Ireland sich zu einem der beliebten Bootsausflüge anmeldet, bei denen der Alkohol in Strömen fließt, steht nicht er am Steuerrad, sondern sein gutaussehender älterer Bruder.
Bran mag Routine und geordnete Verhältnisse. Das liegt vor allem an den Fehlern, die er zehn Jahre zuvor gemacht hat. Aber der Tod seines Vaters hat sein ruhiges Leben durcheinandergebracht, und jetzt leitet Bran die exzellenten Restaurants des Familienkonzerns. Er legt sich mächtig ins Zeug, alles wieder in geregelte, überschaubare Bahnen zu lenken.
Er hat keinen Schimmer, was ihm bevorsteht und wieviel komplizierter sein Leben demnächst wird.
Der feurige Rotschopf Ireland ist genau die Art schöne Frau, der Bran ganz bewusst aus dem Weg geht. Aber als sie ihm während einer Bootstour, bei der er für seinen Bruder eingesprungen ist, buchstäblich in den Schoß fällt, wird nicht nur das Boot von den Wellen umhergeschleudert: Sein Herz geht ebenfalls über Bord.
Die eigensinnige Ireland ist ganz und gar nicht das, was Bran will, aber genau das, was er braucht.
Blick ins erste Kapitel
Blick ins erste Kapitel
Weil ihre Cousine Cali sie unsanft anstupste, wäre Ireland beinahe vom hölzernen Barhocker in der Pizzeria gerutscht.
Cali hob ihr Kinn und nickte in Richtung eines Tisches auf der anderen Seite. »Sieh mal, wer hier ist.«
Ireland holte ihre Brille aus ihrer Handtasche und setzte sie auf.
Und zog sie sich augenblicklich wieder von der Nase, um sie in die Tasche zurückzustopfen. Dann wandte sie sich wieder dem Auseinanderzupfen ihrer Papierserviette zu. »Ich bin den Cade-Brüdern schon ein halbes Dutzendmal begegnet. Ich weiß doch, wer sie sind.«
Cali blinzelte, starrte auf Irelands Handtasche. »Aber gesehen hast du sie nicht, oder? Als ich meinte, du solltest es mal ohne deine Brille versuchen, dachte ich, du würdest dann Kontaktlinsen tragen. Du bringst dich noch um, wenn du nichts siehst.«
»Meine neuen Kontaktlinsen reizen meine Augen. Und es ist ja nicht so, als würde ich ohne Brille Auto fahren.«
Cali wirkte nicht überzeugt. »Hast du schonmal drüber nachgedacht, sie lasern zu lassen?«
Ireland zog die Brauen zusammen. »Würdest du wollen, dass dir jemand in den Augapfel schneidet?«
Cali rümpfte die Nase.
»Ganz genau«, sagte Ireland. »Sollte ich mich irgendwann trauen, meine Augen lasern zu lassen, sage ich dir Bescheid. Außerdem kann ich mir das gerade sowieso nicht leisten.«
»Na, dann setz’ doch zumindest bis dahin deine verdammte Brille wieder auf, denn da drüben sitzen gleich zwei Cades, die nicht nur Singles sind, sondern auch scharf. Ich finde, du solltest es bei einem von denen versuchen.«
Ireland verdrehte die kurzsichtigen Augen. Sie brauchte gar nicht klarer zu sehen, denn ihr war auch so nur allzu bewusst, was für tolle Kerle die Cade-Brüder waren. »Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass du mir helfen willst, mich mit Männern zu verabreden, während ich in Lake Tahoe bin. Du hast Jaeg hier gefunden, und er ist, naja, Jaeger, aber ich habe doch nie so ein Glück wie du. Außerdem wünsche ich mir, dass sich eine Beziehung ganz unbefangen von selbst ergibt. Eben so, wie es bei dir und Jaeg war.«
Kurz huschte ein undeutbarer Ausdruck über Calis Gesicht. »Ich würde nicht behaupten, dass die Dinge zu Beginn so glatt gelaufen sind mit Jaeg, aber wir haben es hingekriegt. Und zugegeben, als Liebhaber ist er unglaublich.« Sie wackelte mit den Brauen.
Ireland drückte ihren Nasenrücken mit Daumen und Zeigefinger zusammen. »Das will ich gar nicht hören, Cali.«
Ihre Cousine stupste sie erneut in die Schulter. »Da wir gerade von meinem scharfen Verlobten reden, er ist doch mit den Cades befreundet. Die sind schon in Ordnung; du solltest wenigstens einem von ihnen eine Chance geben. Deine Herangehensweise ist Mist. Von wegen, es soll einfach so passieren. Du hattest noch kein einziges Date, seit du hier angekommen bist.«
Ireland zog die Brauen zusammen. »Ich habe die letzten sechs Jahre damit verbracht, mir den Arsch abzurackern, umgeben von ungeselligen, ungeschickten Männern. Mit einem auszugehen, steht nicht sehr weit oben auf meiner Liste. Nicht, dass ich nicht ab und zu mal einen Kerl attraktiv fände.« Zum Beispiel einen der Cade-Brüder, aber sie würde nicht erwähnen, welchen. Denn dann würde Cali sich bloß aufregen.
»Und genau deswegen ist es höchste Zeit, dass du öfter rauskommst und mit normalen Typen ausgehst. Alle Männer, mit denen du gearbeitet hast, waren doch sicher solche Technik-Nerds ohne Umgangsformen, oder?«
»Nicht alle. Und wenn das Nerds sind, dann bin ich auch einer.«
»Dir gehört der Nerd-Ausweis abgenommen. Du hast ja noch nicht mal eine von den Apps installiert, mit denen du online mit Single-Männern chatten kannst.«
»Wozu auch? Damit ich mich mit einem Fremden verabreden kann, der sich dann als Soziopath herausstellt?«
Cali lehnte sich zurück. »Verdammt. Diese Scheißfirma hat dich echt verbrannt.«
»Was hat das mit meinem Liebesleben zu tun?«
»Naja, nach dem Wenigen zu urteilen, was du mir erzählt hast, waren die Typen, mit denen du gearbeitet hast, alle Ärsche. Ich glaube, das hat tiefe Narben bei dir hinterlassen.«
Das würde sie nicht bestreiten wollen.
»Ich will, dass du den Laden vergisst. Das war nicht normal. Du bist jetzt in Lake Tahoe, und hier laufen die Dinge anders. Entweder gehst du einfach mal auf Leute zu – probierst es bei einem der scharfen Cade-Brüder –, oder du lädst dir eine Dating-App runter. Was besser funktioniert.« Cali grinste. »Wir wissen schließlich beide, dass es deinem Liebesleben nicht gutgetan hat, so lange mit diesen IT-Nerds eingepfercht gewesen zu sein.«
»Ich arbeite in einem der elegantesten Casino-Hotels in Lake Tahoe. Einige der Männer dort sind wirklich nett.«
»Zu mir hast du gesagt, dass die guten Typen alle verheiratet sind.«
Das hätte sie wohl nicht erwähnen sollen.
»Die Cade-Brüder allerdings …« Cali ließ den Blick zu den beiden hinüberwandern. »Das ist natürlich eine Liegenschaft in der obersten Preisklasse.«
»Hast du sie gerade ernsthaft mit Immobilien verglichen?«
»Na und? Sie sind echt scharf.«
Die Cades waren attraktiv, keine Frage. Vor allem einer von ihnen. Der null Interesse für Ireland zeigte. »Die interessieren sich doch nicht für mich.«
Cali legte sich den Handrücken vor die Stirn. »Himmel, Ireland, hast du mal in den Spiegel geschaut?«
»Das habe ich, ja. Brille, blasse Haut, leuchtendrote Haare.« Ireland hob den Blick in Richtung Decke, als müsse sie nachdenken. »Ein bisschen breiter in der Hüftgegend.«
Cali schüttelte den Kopf. »Das nennt man Kurven, und du kannst froh sein, dass du welche hast. Manche Frauen haben dieses Glück nicht.«
»Attraktivität ist sehr subjektiv«, gab Ireland zu bedenken. »Ich persönlich würde mich irgendwo in der Mitte des Spektrums verorten.«
»Wir sind ganz offensichtlich verwandt, denn du bist echt stur. Ireland, du bist klug und hübsch. Hast du überhaupt mal in Betracht gezogen, einen Kerl an dich heranzulassen, nachdem du den Mist im Silicon Valley nun hinter dir gelassen hast?«
Ireland dachte an die Jubiläumsparty des Clubs zurück, die sie gemeinsam mit Cali und Jaeg besucht hatte. Und an ihren Versuch, ein Gespräch mit Bran anzufangen. »Ja. Und wenn du noch immer von den Cades sprichst, dann ist das ein Nein. Zumindest von deren Seite.«
Cali kniff die Augen zusammen. »Also gefallen sie dir durchaus. Welcher gefällt dir? Einige sind ausgeschieden, haben jetzt Freundinnen oder Frauen oder was weiß ich, aber die restlichen beiden? Die nur ein paar Meter weit entfernt von uns sitzen?«
»Bran hat kein Interesse. Er sieht mich immer ganz finster an.«
Cali schürzte die Lippen. »Soweit ich das beurteilen kann, scheint Bran generell kein Interesse zu haben, mit irgendjemandem etwas anzufangen. Was ich für eine echte Schande halte, denn er sieht zum Anbeißen aus. Was ist mit Hunt?«
»Dem Aufreißer?«
»Ach, Aufreißer – wen juckt das schon? Er sieht wahnsinnig gut aus, und ich bin sicher, dass man mit ihm viel Spaß haben kann. Du musst dich erstmal aufwärmen, nachdem du dich sechs Jahre lang im IT-Knast abgerackert hast, und Hunt ist genau der Richtige, um den Ofen einzuheizen.«
Ireland starrte sie bloß an. »Ist das eine Anspielung auf meine Eierstöcke?«
Calis Lippen formten eine stumme Frage, dann schlug sie vor: »Sieh es doch als Übungs-Date. Wie lange ist es her, dass du mit einem Kerl ausgegangen bist?«
Ein Jahr? Zwei? »Eine Weile.«
»Siehst du, deswegen. Du musst ausgehen, damit du dich eingespielt hast, wenn der Richtige auftaucht und dich von den Socken haut. Du bist manchmal ein wenig …«
Ireland seufzte. »Sag’ es ruhig. Ich bin unbeholfen.«
»Aber nur, wenn du nervös bist«, schickte Cali rasch hinterher.
»Und das bin ich immer, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die ich nicht kenne.«
Cali verzog den Mund. »Das erfordert eben Übung. Nicht jeder fühlt sich in Gegenwart Fremder auf Anhieb wohl.«
Oder in Gegenwart attraktiver Männer, dachte Ireland.
»Wenn du ein paar unverbindliche Dates ohne Druck hast, wird dir das helfen, nicht mehr so nervös zu sein.«
Leider sagte Cali da etwas Richtiges. »Na schön. Du hast ja recht.«
Ihre Cousine grinste, aber diesmal war es nicht an sie gerichtet.
Ireland zog sich schnell die Brille auf und starrte in dieselbe Richtung wie Cali.
Jaeg hatte das Restaurant betreten und kam nun auf sie zu. Ireland steckte ihre Brille wieder weg. »Dein Liebhaber ist da.«
Ein Schnurren löste sich aus Calis Kehle, denn ihre Sinne hatten seine Gegenwart bereits gespürt. Ihre Pheromone mussten in dem Moment Alarm ausgelöst haben, als er das Lokal betrat.
Diese beiden. Sie war froh, dass das Gästezimmer von Cali und Jaeg auf der anderen Seite des Hauses lag. Ireland schlief mit Ohrstöpseln, um nicht aus Versehen irgendwas mitanzuhören, das sie nicht hören wollte.
Jaeg kam an ihren Tisch, beugte sich herunter und küsste Cali auf den Mund. »Guten Abend, die Damen. Wie geht’s, wie steht’s?« Er setzte sich auf den Stuhl neben Cali und legte den breiten Arm über ihre Stuhllehne. Währenddessen grinste sie zu ihm hoch, als hätte sie ihn wochenlang nicht gesehen. Dabei war es nur seit heute Morgen.
Cali bekam ihren Verlobten sowieso viel mehr zu Gesicht als die meisten anderen Frauen, denn er arbeitete von zu Hause aus, in der Holzwerkstatt auf seinem Grundstück. Man sollte meinen, die Glut ihrer Leidenschaft wäre inzwischen ein wenig gedämpft, aber dem war nicht so. Wenn die beiden einen Blick teilten, löste das bereits einen Feueralarm aus.
Was sich irgendwie schön anhörte.
Ireland war nicht eifersüchtig. Kein bisschen.
Na gut, sie beneidete sie ungemein.
Ireland war noch nie mit einem Mann ausgegangen, mit dem die Chemie so sehr stimmte. Sie gönnte Cali ihr Glück, aber sie müsste lügen, wenn sie behaupten würde, dass sie sich nicht etwas Ähnliches wünschte. Und genau deswegen dachte sie nun ernsthaft darüber nach, mit diesem Hunt auszugehen, auch wenn er ein Aufreißer war. Auch wenn es eigentlich sein Bruder Bran war, der sie interessierte. Cali hatte recht – Ireland musste sich zunächst einmal wieder ans Daten gewöhnen, und Bran stand sowieso nicht auf sie.
Schon vor langer Zeit hatte sie gelernt, dass eine Beziehung mit einem Mann, der bestenfalls lauwarmes Interesse an ihr hatte, die Sache nicht wert war.
»Bist du sicher, dass Hunt mit mir ausgehen würde?«, wollte Ireland jetzt wissen. »Ich steige nicht mit ihm in die Kiste, falls das nötig sein sollte, um bei ihm zu landen.«
Cali wurde aus ihrer Jaeg-Trance gerissen, und sie drehte den Kopf wieder in Irelands Richtung. »So einer ist Hunt doch gar nicht. Er ist einfach gern in weiblicher Gesellschaft und mag alle Frauen. Außerdem muss der sich doch gar nicht anstrengen, um Sex zu bekommen. Die Frauen lassen ja schon ihre Höschen runter, wenn sie ihn bloß sehen. Ein Date mit dir wäre für ihn wie eine Erholungspause.«
Jaeg kaute auf einem Stück Pizza, das sie übriggelassen hatte, und wischte sich dann den Mund ab, stützte sich mit dem nackten Unterarm auf dem Tisch ab. »Stehst du auf Hunt?«
»Nicht unbedingt«, erwiderte Ireland.
»Ireland muss einfach …« Cali ließ ihre Finger abwesend seinen Arm hinabgleiten, hielt inne und strich ihm dann mit der flachen Hand über den muskulösen Unterarm, drückte ihn.
»Cali«, fuhr Ireland ihr über den Mund.
»Zur Stelle.« Cali zog ihre Hand von ihrem Kerl weg. »Wie gesagt«, begann sie erneut, sah Jaeg aber dann an, als hätte sie ihn nicht gerade noch betatscht, »Ireland muss mal ein oder zwei Dates haben, um den Bann zu brechen. Sie war zu lange mit Videospiel-Nerds ohne Sozialkompetenz eingepfercht.«
Ireland hob den Zeigefinger. »Ich spiele doch selbst auch ganz gern. Und meine Sozialkompetenz ist ebenso schwach wie die meiner männlichen Ex-Kollegen.«
»Eben«, tönte Cali. »Es ist, als wolle ein Blinder den anderen über die Straße führen. Und in deinem Fall meine ich das sogar wortwörtlich.«
Wohl wahr. Ohne ihre Brille sah Ireland so gut wie gar nichts. Aber sie versuchte schließlich gerade, ihr Image aufzubessern, nicht mehr wie ein totaler Nerd zu wirken, sondern nur noch leicht nerdy. Und was die Kontaktlinsen anging, hatte sie nicht gelogen. Die reizten ihre Augen wirklich wie verrückt. Bis sie sich neue besorgte oder eben doch den Mut für eine Operation zusammennahm, war sie blind wie ein Maulwurf.
»Wenn du mit Hunt ausgehen möchtest, kann ich ein gutes Wort für dich einlegen«, schlug Jaeg vor und genehmigte sich dann einen Schluck von Calis Bier. Auf das letzte Stück Pizza hatte er es auch abgesehen. Offenbar hatten große Männer auch einen großen Appetit, denn Jaeg schien eigentlich ständig zu essen. Ireland und Cali waren selbst keine Kostverächterinnen, aber Jaegs Appetit ließ sie wie schlechte Esserinnen aussehen.
»Nein.« Ireland schüttelte den Kopf. »Das ist mir zu peinlich.«
»Er muss gar nicht viel sagen«, behauptete Cali und warf Jaeg einen Blick zu. »Nicht wahr?«
»Nee«, bekräftigte der. »Ich mache es natürlich nicht offensichtlich. Ich werde ihm sagen, dass wir dir deine neue Stadt schmackhaft machen wollen, und ihn fragen, ob er ein paar Ideen hat, was man machen könnte.« Ireland faltete die Serviette, an der sie schon die ganze Zeit herumzupfte, wieder zusammen. »Ich schätze, das wäre okay.«
»Siehst du?« Cali drückte ermutigend ihre Hand. »Das wird total locker. Hunt ist doch ein netter Kerl.«
* * *
»Wann hast du zum letzten Mal eine abgekriegt?«, wollte Hunt wissen.
Brans Brüder löcherten ihn ständig, was sein Privatleben anging, und diese Gespräche nervten ganz schön.
Er zog den Schirm seiner Baseballkappe tiefer. Er konnte gerade noch unter der Kante hervorlugen und sich in dem vollbesetzten Pizzaladen umschauen. »Ich brauche keine abzukriegen. Ich bin allein ganz zufrieden.«
Hunt schnaubte. »Zufrieden ist Bockmist. Hast du denn gar nichts aus dem Schicksal unserer Eltern gelernt? Das Leben ist viel zu kurz. Du musst es auskosten, solange du kannst.«
Bran, Hunt und ihre drei Brüder hatten ihre Mutter schon als Kinder verloren. Der arme Hunt war noch ein Kleinkind gewesen. Und nachdem der Vater nun – ebenfalls noch vergleichsweise jung – an Krebs gestorben war, gab es nur noch die fünf Brüder. Keine Tanten, Onkel oder Cousins, an die man sich wenden konnte, weil ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter den Kontakt mit dem Rest der Familie abgebrochen hatte.
Bran warf Hunt einen kritischen Blick zu. »Ich will aber nicht die Art von Spaß, die du ständig hast.«
»Was soll das denn bedeuten?«
Bran legte den Kopf in den Nacken und blickte zur Decke hinauf. »Mal sehen … also, da war zunächst mal Levis Freundin.« Hunt hatte mit der festen Freundin seines ältesten Bruders geschlafen, als er gerade mal 18 Jahre alt gewesen war. Ein Albtraum.
Hunt rutschte unruhig auf seinem Stuhl herum. »Das ist doch schon ewig her, und Levi hat mir verziehen.«
»Weil er sich in Emily verliebt hat.«
»Ganz genau.«
Bran schüttelte den Kopf. Emily hatte ihrem ältesten Bruder Levi definitiv den Kopf geradegerückt, ihn weicher gemacht und ihm klargemacht, wie wichtig die Familie war. Sie hatte auch dabei geholfen, die Sache zwischen Levi und Hunt aus der Welt zu schaffen. Dennoch … »Dann wäre da noch die Tatsache, dass du mit allem schläfst, was zwei Beine hat.«
Hunt fletschte die Zähne. »Das ist jetzt aber echt unverschämt. Ich habe schon gewisse Ansprüche.«
Bran hob eine Braue.
»Zugegeben, es sind nicht die gleichen Ansprüche wie deine, aber du hast ja auch seit Jahren keine Bettakrobatik mehr erlebt. Wir sind alle neugierig, wie hoch die Latte bei dir hängt, denn sie hält dich ja offensichtlich davon ab, deine Latte auch nur in die Nähe des anderen Geschlechts zu bringen.«
Bran hatte seinen Bruder nicht um dessen Meinung gebeten, aber das spielte gar keine Rolle. Er bekam regelmäßig Feedback, ob er das wollte oder nicht.
Es ging auch gar nicht so sehr um irgendwelche Ansprüche oder Maßstäbe, die er seinem Leben anlegte. Aber er wägte seine Handlungen eben sorgfältig ab, um auf keinen Fall etwas Dummes zu machen.
So wie damals in der Highschool.
Das hatte seine Sicht auf die Welt verändert.
Aber Bran würde sich nicht die Gelegenheit entgehen lassen, Hunt ein wenig aufzuziehen. »Meine Maßstäbe sind ganz einfach. Ich nehme lieber dezent als auffällig.«
Hunt zeigte auf Bran. »Und das ist genau dein Problem, Alter. Was ist verkehrt an auffällig? Macht doch Spaß. Erinnerst du dich, was das ist, Bruder? Spaß? Ich meine, mich an eine Zeit zu erinnern, als du gewusst hast, was Spaß ist, aber das ist so lange her, dass meine Erinnerung mich auch täuschen mag.«
Es war tatsächlich schon eine ganze Weile her, dass Bran sich zuletzt gehen lassen hatte. Weil das seiner Erfahrung nach immer mit Ärger einherging. Was er erlebt hatte, hatte ihm bewiesen, dass seine Selbsteinschätzung nicht die beste war, also ignorierte er lieber alles, was man gemeinhin unter ›Spaß‹ verstand. »Worauf willst du hinaus?«
»Findest du nicht, es wäre an der Zeit, dich auch mal locker zu machen?« Hunt hob die Achseln wie ein Boxer, der sich zum Kämpfen bereitmacht. »Ich will dich ja nur ungern als verklemmt bezeichnen, aber …«
Bran verdrehte die Augen und ließ den Blick durch das Lokal wandern, um die Kellnerin auszumachen. Wo zum Teufel blieb denn sein Bier?
Sein Bruder Wes stand plötzlich vor ihm, versperrte die Sicht und zog sich einen Stuhl heran. »Ich kann nicht lange bleiben. Kaylee ist völlig erschöpft, und ich muss gleich Babydienst schieben, damit sie sich auch mal ausruhen kann. Was habe ich verpasst? Habe ich richtig gehört; ihr habt gerade über Spaß geredet?«
Gleich darauf tauchte auch ihr Bruder Adam auf, der neugierig zwischen Wes und Bran hin und hersah. »Bran hat Spaß? Mit wem?« Adam winkte die Kellnerin mit einer Bewegung seines Handgelenks, das wie üblich in Armani steckte.
Auf der Arbeit trug Adam Tag für Tag schicke Anzüge, und das machte ihm auch gar nichts aus. Bran und der Rest seiner Brüder dagegen bevorzugten legere, lässige Klamotten, während Adam auf Designerware stand.
»Nein, hat er nicht, und genau darin liegt das Problem«, erklärte Hunt und reckte den Hals. »Wo bleibt Levi?«
Sie starrten alle in Richtung Eingang, als Levi auch schon gemeinsam mit seiner Freundin Emily, die ebenfalls im Club Tahoe arbeitete, hereinkam.
Na großartig. Jetzt waren sie alle da und drauf und dran, Bran wieder einmal auf den Sack zu gehen.
Levi und Emily nahmen ihm gegenüber Platz. »Wir können nicht lange bleiben«, verkündete Levi als Erstes.
»Erzähl’ mir was Neues«, brummelte Hunt. »Mit keinem von euch kann man noch Spaß haben. Erinnert mich bloß daran, niemals solide zu werden. Denn ihr seid damit alle gleichzeitig auch Langweiler geworden.«
Levi funkelte Hunt böse an. »Das hat überhaupt nichts mit ›solide werden‹ zu tun, auch wenn es kein Fehler wäre, wenn du mehr arbeiten und dich weniger herumtreiben würdest. Einige von uns kümmern uns darum, dass der Laden läuft, und geben alles, damit es hier viele Arbeitsplätze für die Menschen aus der Stadt gibt. Ach ja, und wir sind gereift mit zunehmendem Alter. Aber ich schätze, davon hast du nicht die geringste Ahnung.«
Levi und Hunt mochten ja einige Brücken gebaut haben, um ihr Verhältnis wieder zu normalisieren, aber manche Dinge änderten sich eben nie. Sie gingen einander immer noch rasch auf die Nerven.
»Mehr arbeiten?«, echote Hunt und ignorierte geflissentlich den Teil mit dem Erwachsenwerden. »Ich arbeite genau wie du in Vollzeit im Club. Aber nach Feierabend genieße ich eben das Leben. Weil ich immer noch weiß, wie man Spaß hat, im Gegensatz zu euch armen Würstchen.«
Levi schüttelte den Kopf und wandte sich an Bran. »Bei dem ist Hopfen und Malz verloren. Was ist mit dir? Funktioniert das neue Bestellsystem, wie es soll?«
Weil er den Umsatz der Restaurants in dieser stark vom Wettbewerb geprägten Resortlandschaft ankurbeln wollte, hatte Bran Levi überzeugt, einen Haufen Geld in neue Technologie für die Lokale zu investieren. Bran hatte die Leitung aller vier Restaurants im Club Tahoe inne und hatte ausgerechnet, dass sie mit der neuen technischen Ausstattung deutlich mehr Bestellungen verarbeiten konnten. Allerdings bedeutete das System eine steile Lernkurve für die Belegschaft.
»Größtenteils ja«, berichtete Bran. »Die Angestellten befinden sich aber immer noch in der Einarbeitung.«
»Wie steht es mit dem technischen Support seitens der Firma? Greifen die euch unter die Arme?«
»Die helfen uns, aber ich habe mehr als 60 Vollzeit- und Teilzeitangestellte unter mir. Ist ein längerer Prozess, die alle auf den neusten Stand zu bringen.«
»Ist registriert.« Levi sah Emily an, während er seine Hand besitzergreifend auf ihr Bein legte. »Hast du dir das System mal angeschaut?«
Emilys Augen leuchteten auf. »Aber selbstverständlich. Du weißt doch, wie sehr ich mein Tablet liebe. Und die Tablets für die Tische im Restaurant sind schicker als meins, mit einer ganzen Menge cooler Funktionen, um die Gäste bei Laune zu halten. Wir sehen bereits einen merklichen Anstieg in den Affiliate-Einnahmen aus der neuen Keno-App, die wir im System installiert haben.«
Die Kellnerin brachte Levi sein Bier, und er nahm einen Schluck. »Gute Entscheidung, Bran. Solange nichts schiefgeht, sehe ich nicht, wie das dem Club zu Schaden gereichen könnte.«
Bran rieb sich das Kinn. Die neue Technologie war wirklich vielversprechend, aber ihm fiel es schwer, seinen Instinkten zu vertrauen, und diese Investition gründete auf reinem Bauchgefühl. Wenn die Sache sich am Ende doch nicht lohnte, bliebe der Schwarze Peter ganz allein bei ihm hängen.
»Seht mal, wer da ist«, meldete sich Hunt plötzlich mit einem Grinsen zu Wort und stand auf, um Jaeg die Hand zu schütteln.
Jaeg setzte sich zu Bran und seinen Brüdern, und Bran spürte ein unangenehmes Prickeln im Nacken. Wenn Jaeg zum Essen hier war …
Er blickte sich im Lokal um und entdeckte Jaegs Verlobte. Mit ihrer Cousine Ireland.
Verdammt.
Jaeg und Bran unterhielten sich kurz über das Kunsthandwerk, für das der Club ihn angeheuert hatte. Seine nächsten Kreationen waren für das Steakhaus bestimmt. Sie machten Pläne, wann Bran vorbeischauen konnte, um sich die Sachen anzuschauen.
Jaeg nickte Hunt zu. »Und was treibst du im Augenblick so?«
»Nicht viel. Wieso, hast du etwas Bestimmtes vor?«
»Cali möchte ihrer Schwester mehr von der Stadt zeigen. Wenn du demnächst irgendwas vorhast, dann ruf uns doch an. Wir würden gern mit dir auf Entdeckungsreise gehen.«
Hunt funkelte Bran und den Rest der Bagage an. »Na also, das hört sich doch ganz nach meinem Geschmack an. Jaeg und Cali wissen immerhin, wie man Spaß hat.«
Ireland demnach wohl auch, dachte Bran.
Sein dauergeiler, jüngster Bruder wäre der Ausgleich in dem Grüppchen, damit Ireland nicht ständig das fünfte Rad am Wagen spielen musste.
Bran spannte die Kiefermuskeln an. Ihm gefiel der Gedanke an Ireland mit anderen Männern nicht, schon gar nicht mit einem seiner Brüder. Und die Tatsache, dass ihn der Gedanke so störte, machte ihn nur noch wütender.
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⭐⭐⭐⭐⭐ „Diese Cade-Brüder verlieben sich nicht so schnell, aber wenn, dann richtig.“ ~ Rezension zu Brans Verführung
⭐⭐⭐⭐⭐ „Beinahe sofortige elektrisierende Anziehungskraft zwischen den Hauptfiguren.“ ~ Rezension zu Brans Verführung
Jules Barnard ist eine USA Today-Bestsellerautorin für romantische Komödien und romantische Fantasy. Zu ihren romantischen Komödien gehören die Serien Keine Regeln (Englisch: All's Fair), Die Männer aus Lake Tahoe (Englisch: Never Date), und die Cade-Brüder (Englisch: Cade Brothers). Außerdem schreibt sie unter dem Namen J. Barnard romantische Fantasy in der Halven Rising-Reihe, die das Library Journal als "... ein aufregendes neues Fantasy-Abenteuer" bezeichnet. Ob sie nun über heißblütige Männer in Lake Tahoe oder eine Fae-Welt auf einem College-Campus schreibt, Jules spinnt fesselnde Geschichten voller Herz und Humor.
Wenn Jules nicht gerade in ihrer Jogginghose schreibt und sich mit Schokolade belohnt, verbringt sie ihre Zeit mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in ihrer kleinen Heimatstadt im pazifischen Nordwesten. Sie schreibt sich selbst die Fähigkeit zu, zu lesen, während sie auf dem Laufband läuft oder das Abendessen anbrennen lässt.