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Jules Barnard Books

Levis Versuchung

Levis Versuchung

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  • Erbe eines Vermögens
  • Verbotene Romanze
  • Ex-Feuerwehrmann
  • Resortbesitzer Levi Cade glaubt, in der hinreißenden Emily die perfekte Assistentin gefunden zu haben. Es gibt nur ein Problem: Sie ist die kleine Schwester seiner untreuen Ex.

Überblick

Sie ist für ihn tabu und dennoch so verlockend.

Levi Cade war mit Leib und Seele Feuerwehrmann, aber nach einem Arbeitsunfall musste er einsehen, dass von seiner Traumkarriere nur noch Asche übrig war. Dann starb auch noch sein Vater und übertrug ihm testamentarisch die Leitung des Familienbetriebs, eines millionenschweren Resorts. Jetzt muss er sich mit konservativen, risikoscheuen Beratern herumschlagen, die ihm vorschreiben wollen, was er zu tun hat. Er braucht dringend jemanden an seiner Seite, dem er vertrauen kann.

Und dann spaziert die perfekte Bewerberin in Bleistiftrock und taillierter weißer Bluse in sein Büro. Ihre blonde Wellenmähne umgibt sie wie ein Heiligenschein.

Es gibt nur ein Problem. Sie ist die jüngere Schwester seiner untreuen Exfreundin.

Und das Letzte, was Levi gebrauchen kann, ist neuer Ärger mit einer dieser Wright-Frauen.

Andererseits hat er schon immer gern mit dem Feuer gespielt.

** USA TODAYBESTSELLER **

Blick ins erste Kapitel

Hätte irgendjemand Levi Cade vor sechs Monaten gesagt, dass er die Firma seines Vaters leiten würde, hätte er sich schlappgelacht.

Inzwischen war ihm das Lachen vergangen.

Levi rieb sich über die Bartstoppeln an seinem Kinn, während er seinem Anwalt zuhörte, der langatmig über Club Tahoes bisherige Investoren berichtete. Darüber, dass viele von ihnen ausgestiegen oder im Begriff waren, es zu tun, weil die Gewinne immer weiter zurückgingen. Blue Casino, ihr größter Konkurrent, schaffte es irgendwie, ihnen zunehmend die lukrativen Deals wegzuschnappen. Mistkerle. 

Der Anwalt zu seiner Rechten warf einen Blick auf Levis Stiefel und verzog abfällig die Lippen. 

Levi seufzte innerlich. Wenn er schon aus dieser Nummer nicht mehr herauskam und das Luxusresort führen musste, dessen Betrieb sein Vater ihm und seinen Brüdern noch aus dem Grab heraus aufgezwungen hatte, dann konnte er sich verdammt nochmal anziehen, wie es ihm gefiel. Jeans, simple T-Shirts mit Rundhalsausschnitt und Bergschuhe. Die spießigen Anwälte in ihren Designer-Anzügen konnten ihn kreuzweise. Besonders, wenn sie ihn mit ihren Berichten zum beschissenen Stand der Finanzen langweilten.

»Sir, nachdem Ihr Vater verstarb, haben sich unsere Investoren anderweitig orientiert. Das koreanische Konglomerat, das Interesse an Club Tahoe angemeldet hat und das Resort gern als bevorzugten Austragungsort seiner Konferenzen auf US-amerikanischem Boden nutzen würde, könnte das nötige Kapital mitbringen, um den Betrieb reibungslos am Laufen zu halten. Der Vorstand wäre gern bereit, sich um diese Gäste zu kümmern, während sie hier logieren, und dafür zu sorgen, dass Club Tahoe sich von seiner besten Seite zeigt.«

Hörte er da einen Anflug von Verzweiflung in der Stimme des Mannes? Wollten ihn die Anwälte hinter die Kulissen verbannen, weil sie glaubten, dass er dieser Rolle nicht gewachsen war? 

Er war Feuerwehrmann gewesen, bevor ihm ein zwei Kilo schwerer Zementblock, der an der falschen Stelle gelandet war, seinen Traumjob entrissen hatte. Oder an der richtigen Stelle, wenn man bedachte, dass er noch immer auf beiden Beinen stand. Aber ein Auge war beeinträchtigt, sein peripheres Sehen eingeschränkt, und damit war die Sache gegessen. Ihm blieb nur noch die Wahl, am Schreibtisch zu arbeiten oder den Job komplett aufzugeben. Er hatte sich entschieden, lieber zu kündigen als den Rest seiner beruflichen Laufbahn als Schreibtischtäter zu fristen und zusehen zu müssen, wie andere den Job machten, den er liebte. Dass er nun am Ende doch hinter einem Schreibtisch saß, war schlichtes Pech.

Sein Vater starb wenige Monate, nachdem Levi bei der Feuerwehr aufgehört hatte, und das Testament hatte zur Auflage gemacht, dass Levi als Geschäftsführer die Zügel von Club Tahoe, dem familieneigenen Resort, übernahm. Nur einer seiner vier jüngeren Brüder wäre ebenfalls für diese Aufgabe geeignet, aber der arbeitete für die Konkurrenz, Blue Casino. Keiner der anderen wollte hier arbeiten, geschweige denn den Laden schmeißen. 

Levi war nicht der Typ, der gern untätig blieb. Nach monatelanger Genesungsphase hatte es ihn gedrängt, endlich wieder das Haus zu verlassen. Er hätte bloß niemals gedacht, dass aus ihm einmal ein Anzugträger werden würde. Im Prinzip war das ja auch nicht geschehen, denn bisher hatte er sich strikt geweigert, diese verdammte Verkleidung zu tragen. 

Er legte einen Fuß über das andere Knie und präsentierte somit seine guten, robusten Stiefel. Die Anwälte, die um den kleinen Konferenztisch im ehemaligen Büro seines Vaters herumsaßen, mochten höhere Abschlüsse als Levis Bachelor in Maschinenbau besitzen, aber er war ganz sicher kein Idiot. »Zuallererst«, begann er, »nennen Sie mich Levi, nicht Sir. Und was Ihren Vorschlag betrifft, nein, ich brauche Ihre Hilfe nicht. Wir schlagen eine andere Richtung ein. Wir verlassen uns nicht länger auf Investoren, um den Laden am Laufen zu halten. Das kriegen wir auch allein hin, wenn wir mehr Firmen- und Konzernkunden hinzugewinnen und die Konferenzräume auch wirklich auslasten.«

Die Anwälte, die in einem Jahr mehr verdienten als Levi in seinen fünf Jahren als Feuerwehrmann zusammengenommen, wechselten nervöse Blicke. 

Er hatte keine Ahnung, was er tat, und verließ sich ganz auf seinen Instinkt. Und da sein Vater diesen Blödsinn angeleiert hatte, würden die Anwälte – und alle anderen, die gern das Sagen gehabt hätten – mit seinen Entscheidungen leben müssen. Die einzige Frage war, ob Levi selbst mit den Entscheidungen leben konnte, die er bereits getroffen hatte. 

Er hatte schon zweimal beinahe alles verloren: als er klein war und seine Mutter starb, und vor einigen Monaten, als ihm sein Traumberuf gewaltsam genommen wurde. Eigentlich sogar dreimal, wenn er daran dachte, welche Zukunft er mit seiner Exfreundin geplant hatte – das war, bevor sie ihn betrogen hatte. Er wusste, wie sich das anfühlte, wenn man fast alles verlor, und er könnte es sich nie verzeihen, wenn er die Firma seines Vaters gegen die Wand fahren und seine Brüder am Ende ohne Erbe dastehen lassen würde.

Die Männer schoben ihre Unterlagen zusammen und erhoben sich von ihren Stühlen. »Ja, Sir – ähm, Levi«, sagte der Chefjurist und wandte sich mit einem Fingerschnippen an einen Assistenten. Dieser brachte ihm einen großen Aktenordner. »Hier ist das Firmendossier. Shin Electronics bringt nächste Woche für die Klausurtagung einen eigenen Übersetzer mit, aber Ihre neue Assistentin – die von Ihrem Vater sorgfältig ausgewählt wurde, wie ich hinzufügen möchte – spricht ebenfalls fließend Koreanisch.«

»Tut sie das?«

»In der Tat, Sir – Levi. Ms. Wright hat sich bereits mit dem Gelände und den Anlagen vertraut gemacht und wird derzeit von Esther, der bisherigen Assistentin Ihres Vaters, eingearbeitet.« 

Levi ließ den Fuß vom Knie sinken und stellte ihn schwer auf den Boden. »Sagten Sie gerade Wright?« Der Name reichte, dass es ihm kalt den Rücken hinablief. Aber es war völlig unmöglich, dass seine Ex seine neue Assistentin sein sollte. Nicht einmal sein Vater konnte so grausam sein.

Einer der Anwälte, der Kerl mit dem glatt zur Seite gekämmten, dunkelroten Haar, wies mit ausladender Geste auf eine junge Frau, die gerade von der anderen Seite her das Büro betrat. »Im Testament Ihres Vaters ist verfügt, dass Ms. Wright Ihnen bei Ihrem Einstieg als Geschäftsführer zur Seite stehen soll. Er wusste, dass Esther in Rente gehen würde, und hat entsprechend vorgesorgt.« 

Levi war acht Jahre alt gewesen, als seine Mutter starb, und Esther hatte danach ein wenig diese Rolle für ihn und seine Brüder übernommen. Er war alt genug gewesen, um zu begreifen, was er verloren hatte und dass sein Vater nie mehr der Gleiche sein würde. Der vergrub sich, arbeitete die ganze Zeit und war nie da, während Esther ihr Möglichstes getan hatte, den Platz seiner Mutter einzunehmen und die Lücke zu füllen. Aber sie war eben die Assistentin seines Vaters gewesen, nicht seine Mutter. Die meiste Zeit hatte Levi sich um seine Brüder kümmern und die Elternrolle übernehmen müssen. 

Er warf einen Blick auf die junge Frau am anderen Ende des Zimmers. Gottseidank handelte es sich nicht um seine Ex. »Sie meinen das Mädel da drüben?«, vergewisserte er sich leise. »Diese Lolita ist doch sicher noch nicht einmal volljährig. Und mein Vater hat sie ausgewählt, um mir dabei zu helfen, diesen Laden zu leiten?«

Die Frau, die sein Büro betrat, sah überhaupt nicht aus wie seine Exfreundin. Diese Miss Wright war groß und schlank, mit langem, welligem, blondem Haar, nicht braunhaarig und kurvig. Außerdem wäre sie locker für siebzehn durchgegangen, wenn sie keine Business-Kleidung tragen würde.

Philip – oder war das Sam? – hustete in seine Hand. »Ich denke nicht, dass Ms. Wright als ›Mädel‹ oder ›Lolita‹ bezeichnet werden möchte. Sie verfügt über einen Master-Abschluss der Harvard Business School und hat erst kürzlich ein einjähriges Praktikum in einem beliebten Hotel in Korea absolviert. Sie ist die ideale Besetzung, um Ihnen zur Seite zu stehen, wenn Sie nächste Woche diese Gruppe zu Gast haben. Das heißt, wenn Sie immer noch sicher sind, dass Sie dabei auf unsere Unterstützung verzichten wollen?« Der hoffnungsvolle Blick des Mannes verriet seine Beflissenheit und Ungeduld.

Nicht so sehr Ungeduld, sondern vielmehr Verzweiflung. Die wollten wirklich nicht, dass Levi das selbst in die Hand nahm.

Er musterte die Blondine von oben bis unten. Sie hatte gerade mit seinem anderen Anwalt gesprochen. Warum zur Hölle hatte er überhaupt so viele Anwälte? Der Name dieses Mannes war ihm ebenfalls entfallen. Es war aber auch nicht Levis Fehler, dass sie alle gleich aussahen mit ihren identischen Anzügen und ordentlichen Haarschnitten. Miss Wright dagegen besaß zarte, hübsche Züge für ein Mädchen, das mit diesen Absätzen sicher an die 1,80 heranreichte. Sehr hübsche Züge. Und so jung. »Hören Sie … Philip?«

»Samuel.«

»Das Mädel ist auf keinen Fall alt genug, Alkohol auszuschenken, geschweige denn, als Assistentin eines Geschäftsführers des schicksten Resorts am Lake Tahoe zu fungieren.« Ihm war diese Rolle aufgezwungen worden, also konnte er ruhig den großen Macker markieren. »Lassen Sie sich denn nicht die Ausweise der Kandidatinnen zeigen, bevor Sie sie einstellen?«

»Ms. Emily Wright ist sechsundzwanzig, Sir.«

Levi blinzelte. Sechsundzwanzig? Er kniff die Augen zusammen. »Merken Sie sich das Alter bei all unseren Angestellten?«

Sein Anwalt errötete. »Nein, aber wie Sie soeben sagten, sieht sie … äh … jung aus. Ich versichere Ihnen, sie ist volljährig.«

Levi starrte erneut zu dem Mädchen hinüber. Bei näherem Hinsehen waren ihre Beine dünn, aber wohlgeformt, und die Füße steckten in hohen Schuhen, die ihre Waden betonten und den Blick hinauf zu einem ausgezeichneten Hintern lenkten. »Lolita«, murmelte er.

»Sir, noch einmal, ich glaube nicht …«

»Richtig.« Levi würgte ihn mit einer Geste ab. »Sie nicht so nennen. Verstanden. Arrangieren Sie für morgen eine Besprechung mit Miss Wright in meinem Büro.«

»Aber sie ist doch bereits hier, Mr. Cade. Wünschen Sie denn nicht, sie gleich kennenzulernen?« Sein Anwalt hatte endlich aufgehört, ihn mit ›Sir‹ anzusprechen, aber er brachte es augenscheinlich nicht über sich, ihn beim Vornamen zu nennen.

»Heute nicht, nein.«

»Selbstverständlich, Mr. Cade«, erwiderte Samuel, wirkte aber gar nicht zufrieden.

Miss Wright warf einen Blick in seine Richtung, und Levi schluckte. Irgendetwas an diesem Mädel machte ihn nervös. Sie war nicht seine Ex, soviel war sonnenklar, aber bei der Erwähnung ihres Namens sah er jedes Mal das Gesicht seiner Ex vor sich, und das war verdammt nervig.

»Morgen reicht vollkommen.« Samuel bedeutete dem zweiten Anwalt und Levis neuer Assistentin mit einer scheuchenden Geste, dass sie gehen sollten.

Sie verzog ganz leicht ihr hübsches Gesicht, verließ aber gemeinsam mit dem zweiten Anzugträger den Raum.

»Und wenn ich das sagen darf«, begann Samuel erneut und faltete die Hände. »Ihr Vater war ein scharfsinniger Geschäftsmann, aber frisches Blut ist immer gut.« Er lächelte und schien es ernst zu meinen. »Club Tahoe wird unter der Leitung der Cade-Söhne ganz sicher aufblühen.« Der letzte Satz klang weniger aufrichtig, und zum Ende hin zuckte er ganz leicht zusammen.

Aufblühen? Interessante Wortwahl für einen erwachsenen Mann.

Weder Levi noch seine Brüder waren für die Positionen qualifiziert, die sie im Club Tahoe neuerdings innehatten, aber der Teufel sollte ihn holen, wenn er zuließe, dass dieser Ort aus den Fugen geriet oder von jemandem geleitet wurde, der kein Cade war. Sein Vater hatte den Laden aufgebaut und dafür alles andere geopfert, selbst die Liebe seiner Familie.

Er warf einen Blick auf sein Telefon. »Wichtig ist nur, dass die Gäste, die Kunden zufrieden sind. Und dass meine Brüder und ich es nicht verbocken.« Was das anging … »Ich muss jetzt zu einer Besprechung. In den nächsten zwei Stunden bin ich also nicht verfügbar.«

Er brauchte Samuel nicht wissen zu lassen, dass seine Besprechung in der Fireside Lounge stattfand. Die Anwälte krochen ihm so tief in den Arsch, die hatten sich bestimmt längst mit seinen Gewohnheiten vertraut gemacht.

* * *

»Wir sollen was?« Wes war der drittälteste Cade Junior, nach Levi und Adam, das mittlere von fünf Kindern.

»Gastgeber spielen für diese koreanischen Geschäftsleute. Shin irgendwas. Ein Riesenkonzern, dem ungefähr zwei Dutzend Firmen gehören.« Levi nahm einen tiefen Schluck von seinem Ale. »Denkst du, du kannst sie für eine Partie auf den Golfplatz mitnehmen?«

Wes warf die Hände in die Luft und schenkte ihm einen zornigen Blick. »Klar, wieso denn auch nicht. Ich halte ja nur die Golf-Boutique am Laufen, bin für den Platz verantwortlich und muss mich tagtäglich mit den gierigen, reichen Damen herumschlagen, die mir während der Golfstunde ihre Telefonnummern in die Hosentasche gleiten lassen. Herrgott, Levi, kannst du nicht einfach zuerst mit uns sprechen, bevor du solche Pläne machst? Wir leiden dann nämlich alle unter dem Druck, diesen Mist über die Bühne bringen zu müssen.« Wes lehnte sich schwerfällig im Sessel zurück und fuhr sich mit der Hand durch das Haar. Er war der dunkelste der fünf Geschwister und hatte das dunkelbraune Haar ihrer Mutter geerbt.

Levi starrte Wes an. »Bin ich der Chef dieses Unternehmens oder nicht?«

Wes erwiderte den Blick finster. »Aber nur, weil du der Älteste bist. Todsicher nicht, weil du den besten Geschäftssinn besitzt. Es ist mir ein Rätsel, wieso Dad dich an die Spitze gesetzt hat und nicht Adam.«

Adam war derjenige, der es dem alten Herrn stets rechtgemacht und alles getan hatte, worum sein Vater ihn gebeten hatte. Bis dessen letzte Bitte Adam bei Blue Casino untergebracht hatte. Blue Casino war die Konkurrenz vor Ort und machte ihnen gehörig zu schaffen. Nicht nur das, denn Blue Casino könnte Club Tahoe tatsächlich vom Markt verdrängen, wenn Levi und seine Brüder nicht aufpassten. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass Adam ihnen helfen würde. Dieser Bastard.

Adam hatte wohl während seines Streifzugs durch das Blue Casino eine Art Erleuchtung gehabt, obwohl er dort lediglich die Konkurrenz ausspähen sollte. Er hatte beschlossen, dort zu bleiben, und aus irgendeinem Grund hatte das ihren Vater, der eigentlich ein Meister der Manipulation gewesen war, gar nicht gestört. Das Gerücht besagte, der alte Herr wäre in seinem letzten Lebensjahr weich geworden, nachdem er erfahren hatte, dass er nicht mehr lange leben würde.

Dass nun beide Eltern vor der Zeit gestorben waren, konnte man nur als verdammtes Pech bezeichnen. Aber Levi und seine Brüder würden es überleben, so wie sie es immer taten. Auf alle Fälle stand Adam nicht mehr auf der Liste der Söhne, die der Vater dazu bewegen konnte, Club Tahoe nach seinem Tod am Laufen zu halten.

»Du weißt doch, dass Adam nicht zur Verfügung steht«, erinnerte Levi seinen Bruder daher. »Er wurde im Blue Casino befördert, und seine Verlobte arbeitet auch da. Wir sind diejenigen, bei denen sonst nichts auf dem Plan stand.«

»Das gilt vielleicht für dich«, grummelte Wes. »Ich habe die Tour noch längst nicht aufgegeben.«

Nein, Wes wollte niemals wahrhaben, dass seine Golfkarriere zu einer Serie mieser Ergebnisse verkommen war. Es hatte am Ende seiner Collegezeit begonnen, als er sportlich gesehen in den besten Jahren gewesen war, und immer weiter angehalten. Wes war vor einigen Jahren im Club als Platzmanager eingestiegen und hatte nach dem Tod ihres Vaters angefangen, den firmeneigenen Golfclub zu leiten und Unterricht zu geben. Wenn man es genau betrachtete, war er von ihnen allen wahrscheinlich der Qualifizierteste für die Position, die er nun innehatte. Aber Wes wurde nicht müde, seine Brüder immer wieder daran zu erinnern, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis er seine wahre Karriere als Profigolfer starten würde.

Levi streckte die Beine aus. »Auf alle Fälle wusste Dad, welcher seiner Söhne über das Charisma und den Magnetismus verfügte, welcher die nötigen Führungsqualitäten …«

»Seid ihr beide fertig?«, fragte Bran dazwischen, bevor er den letzten Schluck von seinem Bier nahm und eine Kellnerin heranwinkte. Sie drehte augenblicklich bei und kam mit strahlendem Lächeln auf sie zu.

Bran war der Zweitjüngste und obwohl er viel mit seinen Brüdern gemein hatte – die breiten Schultern, die Größe aller Cades – war sein Haar dunkelblond, und er trug es länger als die anderen. Mit seinem guten Aussehen hätte er in der GQ landen können, und der Blick seiner leuchtend blauen Augen traf die Damenwelt oft ebenso zielsicher wie Amors Pfeil.

Bran musste sich kein bisschen anstrengen, um weibliche Aufmerksamkeit zu erringen, und das war eine echte Verschwendung, denn in neun von zehn Fällen bekam er es überhaupt nicht mit, wenn eine Frau an ihm interessiert war. Er war eher still – außer in Gesellschaft seiner Brüder – und mehr der häusliche Typ als der Playboy.

»Ich fange doch gerade erst an, warmzuwerden.« Levi schmunzelte, aber es war gelogen. Er fühlte sich absolut nicht darauf vorbereitet, Club Tahoe zu leiten, aber er würde es tun, weil er jetzt das Familienoberhaupt war.

Bran schob ihm ein neues Pint hinüber. »Trink dein Bier und hör’ mit dem Thema auf. Ich hatte einen Scheißtag im Restaurant und kann eure Streitereien nicht mehr hören.«

Mit zusammengezogenen Brauen ließ Wes seinen Glücksbringer, einen Ballmarker, wie es ihn auch im Golfshop gab, auf dem Tisch kreiseln.

An Levis Schläfe zuckte ein Muskel. Er verfluchte seine Aufgabe. »Was ist denn schon wieder in den Lokalen los?«

Bran rieb sich über die Stirn. »Frag’ lieber, was nicht los ist. Weinbestellungen kommen nicht an. Angestellte klauen aus der Kasse. Kellnerinnen streiten …«

»Kämpfen sie auch miteinander?« Dieser begeisterte Kommentar kam von Hunter, dem jüngsten der fünf Cades und dem einzigen Bruder, mit dem Levi sich absolut nicht verstand.

Hunt gesellte sich zu ihnen und setzte sich an den Tisch. »Vielleicht sollte ich die Restaurants übernehmen und als Schiedsrichter dieser Kellnerinnen fungieren. Hat einer von euch schonmal darüber nachgedacht, ein Rahmenprogramm zu bieten?« Hunt hob die Arme, als hielte er eine Anzeigetafel in den Händen. »Die Ladys von Tahoe: Schlammcatchen oder Chicken Wings – bei uns ist alles scharf! Das bringt eine Menge Kundschaft, meint ihr nicht auch?«

Levi funkelte ihn böse an. »Wer hat dich denn eingeladen?«

Hunt verdrehte die Augen. »Wie ich sehe, bist du heute wieder großartig gelaunt. Ehe du dich versiehst, wirst du genau wie Dad sein.«

Niemand wollte so sein wie ihr Vater. Er war der Grund, wieso sie stets vor allem weggerannt waren, was mit Club Tahoe zu tun hatte. Bis jetzt. »Du kannst mich mal.«

»Herrgott, darf ich denn auch mal irgendwann zu Ende reden?« Bran atmete mit einem schweren Seufzer aus, und seine leuchtend blauen Augen blitzten dabei auf. »Levi, wir haben wirklich genug andere Sorgen; du und Hunt müsst eure Fehde endlich begraben. Und Hunt, ich habe Levi und Wes gerade erst gebeten, runterzukommen. Also untersteh’ du dich, Öl ins Feuer zu gießen.« Bran nahm einen großen Schluck aus dem neuen Bier, das die Kellnerin ihm hingestellt hatte.

»Er hat recht«, gab Levi zu. »Wir müssen dafür sorgen, dass die kommende Woche ohne Probleme verläuft. Ein Haufen Geschäftsleute mit sehr viel Geld kommen in die Stadt, um sich den Laden anzuschauen.« Er wand sich. »Zieht eure besten Klamotten an und zeigt euch von eurer besten Seite.«

»Das sagt der Richtige«, warf Bran gleich wieder ein.

Schon wahr. Levi war nicht für sein charmantes Auftreten bekannt, doch er konnte seinen Charme spielen lassen, wenn er wollte. »Verdammt nochmal, ich werde sogar einen Smoking anziehen. Und wenn ich das tue«, – er zeigte mit dem Finger der Reihe nach auf jeden einzelnen von ihnen – »dann macht ihr besser dasselbe. Wir müssen diese Leute fürstlich bewirten und sie davon überzeugen, dass Club Tahoe die erste und einzige Adresse für sie ist.«

Levi dachte an seine neue Assistentin Ms. Wright und hoffte, dass ihre Koreanisch-Kenntnisse ihnen einen Vorteil verschaffen würden. »Hat einer von euch gewusst, dass Dad eine Frau namens Emily Wright eingestellt hat?« Er erschauerte. »Ich wäre beinahe aus dem Besprechungsraum gerannt, als ich den Namen hörte.

Hunt fragte mit erstickter Stimme: »Emily Wright?«

Levis Schultern verspannten sich. »Ja. Und?«

»Levi, Alter, wie gut kanntest du eigentlich deine Exfreundin?«, wollte Hunt wissen.

Mit zusammengepressten Lippen ließ Levi seine Zunge über die Innenseite seiner Zähne gleiten. »Nicht gut genug«, knurrte er. In den letzten vier Jahren war es ihm verdammt schwergefallen, die Gegenwart seines jüngsten Bruders zu tolerieren.

Hunt besaß immerhin den Anstand, beschämt dreinzuschauen, allerdings nur für den Bruchteil einer Sekunde. »Ich habe mich eine Million Mal dafür entschuldigt. Wann wirst du mir endlich verzeihen?«

»Du hast mit meiner Freundin geschlafen. Wer sagt, dass ich dir das jemals verzeihen muss?«

Hunt straffte den Nacken und stand auf. »Wie ich sehe, war es keine gute Idee, heute hierherzukommen. Ich bin dann im Bootshaus, falls mich jemand sucht. Oh, und Levi?« Er warf ihm einen unnachgiebigen Blick zu. »Emily Wright ist Lisa Wrights Halbschwester. Du weißt schon, Lisa, das Mädchen, von dem du behauptet hast, dass du sie liebst? Wenn du sie so sehr geliebt hast, hättest du dir vielleicht auch die Zeit nehmen sollen, sie richtig kennenzulernen. Oder dir zumindest merken können, dass sie eine Schwester hat.«

Ach du Scheiße.

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⭐⭐⭐⭐⭐ „Dieses Buch war so gut, dass ich beim
Lesen fast das Atmen vergessen hätte. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich die Cade-Brüder angebetet habe, und mir sind ein paar Mal die Tränen gekommen, weil Levi so stur war.“
~
Rezension zu Levis Versuchung

⭐⭐⭐⭐⭐ „… wir kennen doch alle diese Kindheits-/Jugendschwärmereien, die uns heute umhauen würden, wenn wir diese Personen treffen würden. Sehr empfehlenswert!“ ~ Rezension zu Levis Versuchung

Jules Barnard ist eine USA Today-Bestsellerautorin für romantische Komödien und romantische Fantasy. Zu ihren romantischen Komödien gehören die Serien Keine Regeln (Englisch: All's Fair), Die Männer aus Lake Tahoe (Englisch: Never Date), und die Cade-Brüder (Englisch: Cade Brothers). Außerdem schreibt sie unter dem Namen J. Barnard romantische Fantasy in der Halven Rising-Reihe, die das Library Journal als "... ein aufregendes neues Fantasy-Abenteuer" bezeichnet. Ob sie nun über heißblütige Männer in Lake Tahoe oder eine Fae-Welt auf einem College-Campus schreibt, Jules spinnt fesselnde Geschichten voller Herz und Humor.

Wenn Jules nicht gerade in ihrer Jogginghose schreibt und sich mit Schokolade belohnt, verbringt sie ihre Zeit mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in ihrer kleinen Heimatstadt im pazifischen Nordwesten. Sie schreibt sich selbst die Fähigkeit zu, zu lesen, während sie auf dem Laufband läuft oder das Abendessen anbrennen lässt.