Jules Barnard Books
Wes’ Herausforderung
Wes’ Herausforderung
- Geheimes Baby
- Sportlerheld
- Second Chance
- Der Playboy und Profigolfer Wes Cade nutzt den Golfplatz, um die Vergangenheit zu vergessen. Bis seine Ex mit ihrem neuen Verlobten auftaucht. Wie jeder ehrgeizige Konkurrent ist Wes entschlossen, sie zurückzugewinnen.
Überblick
Überblick
Eine zweite Chance, mit der er nicht gerechnet hat …
Wes war schon immer ehrgeizig und erfolgsorientiert. Von klein auf, hat er alles gegeben, um nie zu verlieren.
Und das tat er auch nie, bis er im letzten Jahr auf dem College von seiner Freundin verlassen wurde und seine Karriere im Profisport abrupt endete.
Vier Jahre später trainiert Wes für das Spiel seines Lebens. Ausgerechnet jetzt taucht seine Exfreundin mit ihrem neuen Verlobten in seinem Resort auf. Aber vielleicht ist das ja seine Chance, zurückzugewinnen, was er verloren hat.
Denn wenn er sich damals in Kaylee geirrt hat und sie ihn tatsächlich liebte, dann kann er womöglich die Blockade im Kopf überwinden, wieder an sich glauben und das Spiel gewinnen – und auch das Mädchen.
Blick ins erste Kapitel
Blick ins erste Kapitel
Wes hielt den Blick auf seinen Golfschläger gerichtet – nicht auf seine Exfreundin, die zwei Abschnitte weiter oben auf der Driving Range herumhampelte.
Na gut, er hatte Kaylee die ganze Zeit beobachtet. Aber verdammt nochmal, was tat sie denn auch hier? Bis vor ein paar Tagen, als sie ihm plötzlich im Golfshop des Clubs aufgelauert hatte, hatte er Kaylee vier Jahre lang nicht gesehen.
Sie trug ihr Haar jetzt kürzer, es war nicht mehr der lange, beinahe schwarze Seidenstrang, mit dem sie im College geglänzt hatte. Und trotz ihrer natürlichen Anmut schaffte sie es, auf dem Übungsplatz eine schreckliche Figur zu machen.
Derselbe Kerl, mit dem sie schon vor ein paar Tagen aufgetaucht war, ließ seine Hand über ihren knackigen, runden Hintern gleiten, und der Anblick brachte den Puls an Wes’ Schläfen augenblicklich zum Pochen. Es mochte Jahre her sein, dass er Kaylee zuletzt gesehen hatte, aber damals war sie seine Freundin gewesen.
Wes stopfte seinen Schläger in die Golftasche, weil er für heute Schluss machen und schleunigst verschwinden wollte, aber dann schaute Kaylee in seine Richtung. Ihr Blick blieb an ihm hängen und ihre Augen weiteten sich, als hätte sie nicht damit gerechnet, ihm hier zu begegnen.
Wes und seinen Brüdern gehörte das Resort. Was sollte der Blödsinn? Jeder wusste, dass man ihn am ehesten auf dem Golfplatz antraf.
Kaylee sagte etwas zu ihrem Begleiter, und sie kamen auf Wes zu.
Verflucht.
»Hast du eine Minute Zeit?«, fragte sie, während Wes seine Schläger zusammenpackte.
Er schenkte ihr ein angespanntes Lächeln. »Ich muss in den Laden zurück.« Kaylee mit einem anderen zu sehen, fühlte sich etwa so an, als bekäme man eine Gabel ins Auge gestochen, und Wes musste sehr an sich halten, um nicht auszurasten.
Kaylees Kerl legte ihr einen Arm um die Schultern, und Wes ballte die Fäuste. »Es dauert nur einen Moment. Kaylee sagte, dass Sie sich vom Studium kennen und dass Sie ein Profi-Golfer sind.«
Wes seufzte. Wenn dieses Mädchen im College keine Psychospielchen mit ihm gespielt hätte, dann wäre er jetzt tatsächlich ein Profi-Golfer und würde ein Turnier nach dem anderen herunterreißen. »Ich bin nur ein Pro hier im Resort.« Der Blödmann blickte ihn verständnislos an.
Offensichtlich hatte er keine Ahnung von Golf. Es war ein großer Unterschied, ob man Turniere spielte oder als sogenannter Pro-Golflehrer Stunden auf dem Platz gab.
»Na, jedenfalls sagt Kaylee, dass Sie gut sind«, beharrte der Blödmann. Er blickte auf die Frau in seinem Arm herab und grinste. »Ich würde meiner Verlobten gern ein paar Stunden spendieren. Sie lernt den Sport gerade erst und könnte etwas Nachhilfe gebrauchen.«
Verlobte … Verlobte? Wes warf Kaylee einen Blick zu, der sie zusammenzucken ließ.
Er atmete langsam aus. War das ein kranker Witz? Seine Ex tauchte urplötzlich aus der Versenkung auf, spazierte in das Resort seiner Familie – sein Territorium – und brachte einen Verlobten mit?
»Du musst das natürlich nicht tun«, wandte sie hastig ein.
Ihr Verlobter zog die Brauen zusammen. »Wir hatten das doch besprochen, Kaylee. Du brauchst Unterricht, wenn du während unserer Flitterwochen in Fidschi mit mir gemeinsam den Platz unsicher machen möchtest.«
»Ja, aber er hat wahrscheinlich viel zu tun.« Sie sah Wes zögerlich an. »Ich weiß ja nicht einmal, ob Wes überhaupt Unterricht gibt.«
»Das tue ich«, hörte Wes sich sagen.
Er musste den Verstand verloren haben. Kaylee Golfstunden zu geben, war das Letzte, was er machen sollte. Sie hatte ihn verarscht, und weder er noch seine Golfkarriere hatten sich je richtig von diesem Schlag erholt.
Als Kaylee mit Wes Schluss gemacht hatte, war er mitten im wichtigsten Turnier seines Lebens gewesen. Er hatte die Trennung aus seinen Gedanken verbannt und seine gesamte mentale Energie darauf konzentriert, es in die Profiliga zu schaffen; er war davon überzeugt gewesen, dass er die Sache mit Kaylee wieder hinbiegen konnte, wenn er nach Hause käme. Aber dann hatte er in den Testspielen völlig versagt, und der Moment der Klärung war auch nie gekommen. Als er zurückkehrte, hatte Kaylee ihre Kurse bereits abgeschlossen und war weggezogen. Wes hatte sie nie wiedergesehen oder auch nur etwas von ihr gehört.
Golf war ein Sport, der im Kopf entschieden wurde. Wenn man nicht konzentriert bei der Sache war, konnte die Parzahl leicht von sechs unter Par auf sechs über Par ansteigen, und man war aus dem Spiel. Dass Kaylee ihn während des Turniers verlassen hatte, hatte ihn mental völlig aus der Bahn geworfen, und davon hatte er sich bis heute nicht komplett erholt.
Wie es der Zufall wollte, fand nun dieses traurige, kleine Wiedersehen genau zu einem Zeitpunkt statt, als Wes erneut versuchte, sich für die Tour zu qualifizieren. Dass er ausgerechnet jetzt seiner Ex über den Weg lief, war entweder beschissenes Pech – oder genau das, was er brauchte, um sein Bestes zu geben, zurück auf Kurs zu kommen und diesmal zu gewinnen.
Sie hatte ihn eiskalt und ohne guten Grund abserviert, sodass der Gedanke, ihr zu vertrauen, einen bitteren Geschmack auf seiner Zunge hinterließ. Aber wenn er herausfinden könnte, wieso sie vor Jahren so abrupt aus der Stadt verschwunden war, würde ihm das vielleicht helfen, sich mental wieder voll und ganz auf das Spiel zu konzentrieren und den kleinen, entscheidenden Vorteil zurückzugewinnen, der ihm damals abhandengekommen war. »Ich bin immer dienstags und donnerstags von vier bis fünf am Nachmittag verfügbar.«
»Großartig!« Der Blödmann mit dem übertrieben kantigen Kinn grinste Kaylee an, die auf der Hut schien. »Dann kann Kaylee ein paar Stunden nehmen, während sie unsere Hochzeit plant. Wir werden hier im Club feiern. Eine wirklich schöne Kulisse haben Sie hier.«
Sie wollte heiraten … und das in seinem gottverdammten Resort? Hatte sie den Verstand verloren?
Kaylee hob trotzig das Kinn. Diese Geste kannte Wes nur allzu gut. »Ich habe Lake Tahoe immer geliebt. Meine Eltern haben hier immer noch ihr Ferienhäuschen. Eddy und ich wohnen gerade dort.«
Eddy blickte zwischen den beiden hin und her. »Gibt es ein Problem? Wenn Sie zu beschäftigt sind, kann ich sicher auch jemand anderen finden, der sie unterrichtet.«
»Ich unterrichte sie«, gab Wes zurück und starrte Kaylee an.
Er hatte keine Ahnung, warum sie wirklich hier war, aber es war einfach ein zu großer Zufall, dass sie jetzt aufgetaucht war, also würde er verdammt nochmal herausfinden, was dahintersteckte.
* * *
Kaylee strich sich das Haar hinter die Ohren und ging langsam zu Wes hinüber, der in der Nähe der Driving Range stand und sich mit einem anderen Mann unterhielt. Wes trug ein rotes Golfshirt mit dem Logo von Club Tahoe und hatte eine Hand in die Hosentasche gesteckt, wodurch der Stoff gedehnt wurde und sie die Konturen seines Hinterns nur allzu gut erkennen konnte. Kaylees Ex war immer noch genauso fit wie damals im College – er machte sogar eine noch bessere Figur, weil er inzwischen breiter in den Schultern war und mehr Muskeln besaß.
Ihr Herz flatterte bei seinem Anblick. Es flatterte und schlug heftig, seit sie Wes letzte Woche nach fast vier Jahren zum ersten Mal wiedergesehen hatte. Sie waren unschön im Streit auseinandergegangen. Dies war ihre Chance, es wiedergutzumachen, allerdings hegte er offenbar noch Groll gegen sie, wie seine Reaktion auf ihr Wiedersehen bewies. Und diesen Groll würde sie überwinden müssen, wenn sie darauf hoffte, einen Abschluss für all das zu finden.
Vergangene Woche war sie mit Eddy in die Golfboutique gekommen, um sich eine leichte Jacke für die kühleren Morgenrunden auf dem Golfplatz zu kaufen. Aber als sie Wes hinter dem Tresen erblickt hatte, wäre ihr Herz beinahe stehengeblieben. Sie hatte geplant, ihre Hochzeit im Club Tahoe zu feiern, weil das Resort ein wunderschöner Ort war und sie schon als Kind immer wieder Ferien am See gemacht hatte. Und weil sie Wes noch ein letztes Mal wiedersehen musste, bevor sie heiratete.
Kaylee hatte ja nicht geahnt, dass Wes tatsächlich im Club arbeiten würde. Er hatte doch damals große Pläne für seine Golfkarriere gehabt. Pläne, die ihn förmlich auffraßen und auch der Beziehung schadeten. Sie hatte damit gerechnet, ihn ausfindig machen zu müssen, vielleicht bei seinem Vater nach ihm zu fragen. Aber vor einigen Tagen hatte Kaylee erfahren, dass sein Vater kürzlich gestorben war und Wes’ älterem Bruder Levi die Leitung des Luxusresorts übertragen hatte. Wes war für den Golfplatz zuständig, und zwei seiner anderen Brüder kümmerten sich offenbar um die Unterhaltungsprogramme auf dem Gelände.
Dass sie ausgerechnet nach einem solchen Verlust wieder in sein Leben trat, war ganz schlechtes Timing. Aber Kaylees Hochzeit würde in wenigen Monaten stattfinden, also musste sie es jetzt oder nie tun.
Mit der Golftasche über der Schulter stapfte sie auf ihn zu und blieb zwei Meter hinter ihm stehen. Noch hatte er sie nicht bemerkt, also nutzte sie die Gelegenheit, den Mann, den sie einmal mehr als alles andere geliebt hatte, eingehend zu betrachten.
Seine lockere Haltung, das leichte Lächeln, das um seine Mundwinkel spielte, als er sich mit dem anderen Golfer unterhielt – das war der lebensfrohe Typ, an den sie sich so gut erinnerte. Seine tiefblauen Augen konnte sie nicht sehen, da er halb mit dem Rücken zu ihr stand, aber sie erinnerte sich auch an das Funkeln darin, wenn er sich einen Kuss von ihr stahl. Oder die Tiefe in diesen Augen, wenn er ihre Hand festhielt, während sie miteinander schliefen …
Ein warmes Erschauern breitete sich von ihrem unteren Rückgrat aus nach oben und vorne aus. Es war eine dumme Idee gewesen, Wes aufzusuchen. Und jetzt sollte sie auch noch Golfstunden bei ihm nehmen? Vielleicht war der Abschluss, den sie gewollt hatte, doch gar nicht so wichtig. Nicht, wenn in ihrem Innern ganz unerwünscht die Funken sprühten, sobald er in der Nähe war. Er weckte Gefühle in ihr, von denen sie geglaubt hatte, sie wären längst gestorben. Allem Anschein nach aber hatten sie die ganze Zeit in ihr geschlummert. Und diese Gefühle musste sie schleunigst vergessen, wenn sie ein neues Leben mit Eddy beginnen wollte.
Kaylee wollte gerade die Idee mit den Golfstunden über den Haufen werfen, als Wes sich versteifte.
Er drehte sich langsam zu ihr um, und sein Blick wanderte zu ihren Lippen, dann zu ihren Wangen, die immer noch brannten, weil sie gerade erst von diesen dummen Erinnerungen an sie beide zusammen überfallen worden war.
War er gerade noch erstarrt, weil er ihre Gegenwart gespürt hatte, so verbarg er das jetzt gekonnt. Wes blieb gelassen und starrte sie weiter an. Er gab sich kühl, während sie spürte, wie ihr heiß wurde. Ihre Beine fühlten sich wie Wackelpudding an.
»Passt es dir denn überhaupt zeitlich?« Ihre Stimme klang hoch und nervös. Sie räusperte sich. »Ich kann auch später wiederkommen, falls du viel zu tun hast.« Oder gar nicht wiederkommen. Im Stillen verfluchte sie Eddy und sein Beharren auf Golf in den Flitterwochen. Warum waren alle Männer so besessen von diesem Sport?
Kaylee mochte ihn hinter sich gelassen haben, aber Wes hatte einen Teil ihres Herzens gestohlen. Was nicht bedeutete, dass sie füreinander geschaffen waren. Sie würde den Schmerz nie vergessen, den sie in dieser Beziehung gefühlt hatte und auch noch danach.
Ihr Plan war gewesen, endlich mit der Vergangenheit abzuschließen … nachdem sie Wes gesagt hatte, was sie ihm schon vor Jahren hätte sagen sollen. Aber sie konnte ihm das alles nicht erklären, solange sie sich nicht ein bisschen besser verstanden. Die Wahrheit war zu privat und zu schmerzhaft, um sie auszusprechen, solange er sie ansah, als sei sie ein Stück Dreck, das ihm unter der Sohle klebte. Und das bedeutete, dass sie das durchstehen musste, ganz gleich, wie unbehaglich sie sich in Wes’ Gegenwart fühlen mochte.
»Jetzt passt es gerade«, erwiderte er knapp.
Er nickte dem Mann, mit dem er bis eben gesprochen hatte, ein freundliches ›Bis später‹ zu und spähte dann über Kaylees Schulter hinweg, schaute auf etwas dahinter. Ein liebevolles Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus.
Kaylees Herz machte einen Satz. Sein Lächeln war schon immer zum Dahinschmelzen gewesen, und die Wirkung, die es nach wie vor auf sie hatte, brachte sie ganz durcheinander – und erinnerte sie daran, wieso sie sich vor mehreren Jahren in ihn verliebt hatte. Aber Wes’ Lächeln galt ja nicht ihr.
Kaylee drehte sich um und erblickte ein kleines Mädchen – vielleicht vier Jahre alt –, das auf sie zu stapfte. Das Kind trug eine kleine Schläger-Garnitur und hatte die Haare zu einem geflochtenen Pferdeschwanz gebunden, der mit jedem ihrer entschlossenen Schritte hin und her schwang. Sie hatte denselben intensiven Ausdruck im Gesicht, den sie von Wes kannte, wenn er auf dem Weg zu einer Runde Golf gewesen war.
»Bella, das hier ist Kaylee«, stellte Wes sie vor.
Das kleine Mädchen musterte Kaylee. »Trainiert sie auch?«
Wes verzog das Gesicht. »Natürlich nicht. Kaylee ist noch lange nicht so weit wie du. Ich werde dich trainieren und ihr dabei Tipps geben. Sie kann sich von deiner Haltung abschauen, wie man es macht.« Bella grinste.
»Ich soll mir abschauen, wie man es macht?«, wiederholte Kaylee leise, nur für seine Ohren bestimmt. »Bei einer Vierjährigen?«
»Sie ist fünf«, korrigierte Wes und verschränkte die Arme vor der Brust, stellte sich breitbeiniger hin. »Bella mag klein für ihr Alter sein, aber lass dich von ihrer Körpergröße nicht in die Irre führen. Sie ist meine beste Schülerin.«
Kaylee entging sein verhohlenes Schmunzeln nicht.
Na großartig. Die Zeit, die sie mit Wes verbrachte, würde nicht nur peinlich und unangenehm werden, er hatte außerdem vor, sie wie eine Idiotin dastehen zu lassen. Sie nahm an, dass sie das seiner Meinung nach verdient hatte. Damit kam sie klar. Aber sie würde nicht damit klarkommen, den Rest ihres Lebens in dem Wissen zu verbringen, dass sie niemals reinen Tisch mit ihm gemacht hatte.
Abgesehen davon war es seltsam, dass er ein kleines Mädchen trainierte. Er hatte sich nie groß darum geschert, wie andere Leute spielten, weil er immer viel zu fokussiert auf seine eigene Performance gewesen war. »Du unterrichtest jetzt also wirklich auch Kinder?«
»Ist ein neues Programm hier im Club. Gar nicht schlecht. Besonders mit Schülerinnen wie Bella.«
Das Mädchen holte zu einem Übungsschwung aus. Sie schien wirklich gut zu sein.
»So ist es richtig«, rief Wes ihr zu. »Schön den Arm gerade halten, wie ich es dir letzte Woche gezeigt habe. Langsam und locker.«
Bella legte sich einen Ball zurecht, hob den Schläger und schwang, traf den Ball und sandte ihn weit auf den Übungsplatz hinaus.
Kaylee hustete in ihre hohle Hand und unterdrückte ein Lächeln. »Okay, du hast recht. Sie ist talentiert.«
Wes warf ihr einen Blick zu. »Nervös?«
»Nein, gar nicht.« Kaylee verschränkte die Arme unter der Brust. »Ich habe auch etwas drauf.«
Er betrachtete sie skeptisch, und sein Blick glitt kurz zu ihren Brüsten hinab, wanderte dann langsam wieder zu ihren Augen hinauf. Er schüttelte den Kopf. »Das glaube ich nicht.«
Verflixt. Er musste sie gesehen haben, als sie gestern so hilflos die Bälle über den Übungsplatz verteilt hatte.
In Wahrheit war Kaylee furchtbar schlecht im Golfen, aber das würde sie doch jetzt vor Wes nicht zugeben.
Er lächelte stolz, als Bella einen weiteren Ball in die Erdumlaufbahn beförderte. »Gut gemacht«, rief er.
Kaylee schluckte. Und schluckte gleich nochmal. Denn ihr wurde plötzlich noch etwas anderes klar. Wes unterrichtete Bella nicht bloß, weil es ihm Spaß machte oder er ihr Talent bewunderte … das Mädchen war ihm wirklich wichtig.
Die Tatsache, dass ihr egozentrischer Ex einem kleinen Kind beibrachte, wie es seinen Lieblingssport noch besser spielen konnte, hatte eine seltsame Wirkung auf Kaylee, vor allem auf ihren Brustkorb – es war ein ziehendes Gefühl, das ihr das Herz eng werden ließ.
Bella grinste über ihre Schulter hinweg und suchte Wes’ Bestätigung.
Er nickte und sagte: »Und jetzt schön weiterüben, was ich dir gezeigt habe, während ich mich um Kaylee kümmere.«
Kaylee straffte die Schultern. Sie sollte nicht zulassen, dass es sie rührte, wie niedlich Wes mit diesem Kind umging. Viele Männer mochten Kinder. Das war nichts Besonderes.
Aber es war etwas Besonderes, denn es handelte sich um Wes.
Er war immer sehr auf sich selbst fokussiert gewesen. Er mochte ihr gesagt haben, dass er sie liebte, als sie zusammen waren, aber sein Verhalten hatte ihr deutlich gezeigt, dass sie nie die erste Geige gespielt hatte.
Kaylee zog ihren Golfhandschuh aus der Tasche und zog ihn an. »Wie oft trainiert Bella?«
Wes zuckte die Achseln. »Ihre Eltern kommen häufig hierher. Ich habe ihr über den Sommer immer wieder Stunden gegeben. Dieses Mädchen wird eines Tages ein Profi sein.«
Einen Moment lang starrte Kaylee ihn lediglich an. Der Erfolg dieses kleinen Mädchens schien ihm beinahe wichtiger zu sein als sein eigener. Und das war schlicht verrückt.
»Was, wenn sie beschließt, mit Golf aufzuhören und stattdessen Tanzen zu lernen?« Kaylee stachelte ihn auf wie früher, nur dass sie jetzt nicht mehr einschätzen konnte, wie er das aufnehmen würde.
Wes zischte: »Nur über meine Leiche. Das macht sie nicht, wenn ich auch nur ein Wörtchen mitzureden habe.«
Kaylee lachte. Er hatte es genauso aufgenommen wie früher – mit der ihm eigenen Arroganz und einer leichten Verstimmung. Aber tief drinnen im Herzen war er immer ein Softie gewesen.
Ihr Lächeln erstarb. Es spielte keine Rolle, ob er ein gutes Herz besaß. Manchmal war das eben nicht genug.
In dem Versuch, nicht allzu ernst zu werden, neckte sie ihn weiter. »Man kann nie wissen, Wes. Frauen ändern ihre Meinung.«
Seine Züge entglitten, und er presste die Lippen zusammen. »Mit Frauen, die ihre Meinung ändern, habe ich Erfahrung.«
Mist. Sie hatte diese Wunde nicht so bald aufreißen wollen. Sie versuchte doch immer noch, sich wieder einigermaßen gut mit ihm zu stellen.
Kaylee drehte sich um und schnappte sich einen Golfschläger. »Also, woran sollte ich zuerst arbeiten? An meinem Schwung, meiner Haltung?«
Wes blickte in die Ferne, als wisse er genau, dass sie lediglich versuchte, das Thema zu wechseln. Als er sie wieder ansah, war sein Blick neutral. »Deine Haltung, dein Schwung und alles andere sind grottenschlecht, also fangen wir am besten ganz am Anfang an. So wie ich auch mit Bella angefangen habe.« Er grinste süffisant.
»Es macht dir Spaß, mir unter die Nase zu reiben, wie schlecht ich bin, oder?«
»Willst du darauf wirklich eine Antwort hören?«
»Nein«, brummte sie und setzte einen Ball auf ein hölzernes Tee, das sie in die Erde gestoßen hatte.
»Warte.« Wes kam zu ihr herüber und nahm ihr den Schläger ab. »Zunächst mal musst du deinen Pitching-Wedge nehmen, nicht den Driver. Du musst dich zu den längeren Schlägern hocharbeiten.«
Er ließ den Driver in ihre Golftasche zurückfallen und holte einen kürzeren, kleineren Schläger heraus, den er ihr reichte. Wes beugte sich hinunter und zog das Tee aus dem Boden, auf dem sie ihren Ball platziert hatte. Stattdessen legte er den Ball direkt auf dem Gras zurecht. Kaylees begrenzter Erfahrung nach war er so noch schwerer zu schlagen.
Wes ließ seinen Blick über ihren Körper wandern.
Und sofort wurde ihr warm in der Brust und im Magen flau.
Als Kaylee Wes zum ersten Mal begegnet war, hatte er sie bei einer College-Party entdeckt, war geradewegs auf sie zugekommen und hatte gefragt, ob sie tanzen wollte. Aus diesem Tanz war ein Kuss geworden, daraus wiederum eine Übernachtung bei ihr zu Hause, die sich über das gesamte Wochenende hingezogen hatte. Zwei Jahre lang waren sie unzertrennlich gewesen. Und wie es schien, erinnerte sich ihr Körper an die Wirkung, die er auf sie gehabt hatte, und reagierte entsprechend.
Bleib stark. Du bist verlobt! Wes betrachtete lediglich ihre Schlaghaltung, nicht ihre Kurven – obwohl sie ziemlich sicher war, dass er ihr vorhin eindeutig auf die Brüste gestarrt hatte. Aber das spielte keine Rolle.
»Lass mich mal sehen, wie du ihn anfasst«, befahl er.
Sie hielt ihm den Schläger entgegen und zeigte ihm den Griff, den ihr ihr Verlobter beigebracht hatte.
Wes schob ihre Hand ganz leicht zur Seite, und dabei streifte seine warme Handfläche die Haut ihrer Finger, wo der Handschuh sie nicht bedeckte. Die Hitze fuhr ihren Arm hinauf. Wes’ Blick huschte zu ihrem Gesicht, als hätte er es auch gespürt.
Er ließ ihre Hand los und räusperte sich. »Nicht schlecht. Und nun stell dich mal in Position.«
Kaylee machte vor, wie sie sich zum Ball positionierte und den Schläger schwang. Das hatte sie ein paar Mal geübt.
Wes presste seine Finger gegen die Stirn und schüttelte den Kopf. »Himmel, Kaylee. Bist du sicher, dass du mit Golfen anfangen willst?«
Sie ließ den Schläger auf den Rasen sinken. »Ja. Zeigst du mir nun, wie das geht oder nicht?«
»Machst du das nur, weil dein Verlobter will, dass du spielst?«
Die Betonung auf ihrem Zukünftigen entging ihr nicht. Ihre Verlobung war ungefähr so gut angekommen, wie sie erwartet hatte – also überhaupt nicht gut. Wes hatte überall und immer den Raum beherrscht, als sie noch zusammen waren. Es wäre gar kein Platz für andere Männer gewesen, selbst wenn sie mit einem anderen hätte ausgehen wollen. »Ich wollte es immer lernen, aber du warst nicht …«
Er legte die Stirn in Falten. »Was war ich nicht?«
Sie stieß einen Seufzer aus. »Auf dem College warst du immer zu beschäftigt, um es mir beizubringen. Ich hätte mir natürlich einen anderen Lehrer suchen können, aber ich wollte es von dir lernen.«
Er starrte sie einen Moment lang an, seine ozeanblauen Augen unergründlich. »Lass die Arme unten, die Füße schulterbreit, und dann gehst du leicht in die Knie.«
Sie blinzelte und folgte dann seinen Anweisungen. Denn immerhin versuchte er es, trotz ihrer steinigen Vergangenheit.
Der Rest der Stunde verlief zum größten Teil so. Wes blaffte sie mit Befehlen an und gurrte begeistert zu Bellas – zugegeben unglaublicher – Haltung.
Bella hatte den Bogen sowas von raus, und am Ende ihrer Stunde wollte Kaylee am liebsten wie Bella sein, wenn sie groß war. Denn bisher schlug Kaylee immer noch häufiger am Ball vorbei, als dass sie traf.
»Deine Haltung ist schon besser geworden«, murmelte Wes. »Treffen tust du echt gar nichts, aber die Haltung ist wichtig. Der Rest kommt mit der Zeit.«
Es war alles andere als ein großartiges Kompliment, aber sie nahm es als solches, weil Wes damit schon immer sparsam gewesen war. Kaylee grinste.
Seine Augen weiteten sich, und er wandte den Blick ab. »Du musst aber noch viel üben.« Er nahm ihr den Schläger ab und ließ ihn in ihre Golftasche gleiten. »Sehr viel üben, wenn du bald auf dem Platz mithalten willst … Wann wolltest du nochmal heiraten?« Sie konnte die Schärfe in seiner Stimme kaum überhören.
Kaylee ratterte das Hochzeitsdatum herunter, das plötzlich am Horizon dräute, nur noch wenige Monate bis dahin. Es war noch so viel zu erledigen, und dazu gehörte unbedingt auch, sich ihrem Ex zu nähern, um die Dinge richtigzustellen. Und jetzt machte Eddy ihr Druck, weil er wollte, dass sie auf dem Golfplatz mit ihm mithalten konnte. Das schien ihr ein ebenso unüberwindliches Hindernis wie der Versuch, sich Wes gewogen zu machen.
Wes starrte sie an, ohne etwas zu erwidern, so als wolle er ihr schweigend und nur mit seinem Blick eine Nachricht ins Hirn brennen. Dass er sie hasste? Dass er wünschte, sie würde verschwinden? Was?
Manche Dinge an Wes hatten sich nicht geändert, aber in anderen Aspekten schien er ein völlig anderer Mann zu sein. Härter, weniger arglos und stattdessen misstrauischer.
»Wenn du bis dahin bereit sein willst«, beschied er ihr schließlich, »solltest du besser auch zwischen unseren Stunden üben.«
»Ich kann jeden Tag herkommen, wenn das nötig ist.«
Wes zuckte zusammen. Einen Augenblick später sagte er: »Ich muss wieder zu Bella zurück«, drehte sich um und stapfte davon.
Kaylee ließ die Schultern sinken. Ihr Umgang miteinander war unbehaglich, wo er früher im Gegenteil locker und liebevoll gewesen war. Kaylee hatte nie eine solche Verbindung mit jemandem gespürt wie damals mit Wes. Abgesehen vom Ende, denn da war alles in ihrem Leben zusammengebrochen.
Es hatte lange gedauert, sich von diesem Verlust zu erholen. Sie hatte fest vor, die Dinge zwischen ihnen beiden wieder ins Lot zu bringen.
Es war die einzige Möglichkeit, das Ganze mit einem reinen Gewissen hinter sich zu lassen.
Teilen

⭐⭐⭐⭐⭐ „Die ganze Serie ist ein muss!!!” ~ Rezensentin zu Wes’ Herausforderung
⭐⭐⭐⭐⭐ „Ich habe es geliebt ein sehr tolles buch freue mich schon auf den nächsten band.“ ~ Rezensentin zu Wes’ Herausforderung
Jules Barnard ist eine USA Today-Bestsellerautorin für romantische Komödien und romantische Fantasy. Zu ihren romantischen Komödien gehören die Serien Keine Regeln (Englisch: All's Fair), Die Männer aus Lake Tahoe (Englisch: Never Date), und die Cade-Brüder (Englisch: Cade Brothers). Außerdem schreibt sie unter dem Namen J. Barnard romantische Fantasy in der Halven Rising-Reihe, die das Library Journal als "... ein aufregendes neues Fantasy-Abenteuer" bezeichnet. Ob sie nun über heißblütige Männer in Lake Tahoe oder eine Fae-Welt auf einem College-Campus schreibt, Jules spinnt fesselnde Geschichten voller Herz und Humor.
Wenn Jules nicht gerade in ihrer Jogginghose schreibt und sich mit Schokolade belohnt, verbringt sie ihre Zeit mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in ihrer kleinen Heimatstadt im pazifischen Nordwesten. Sie schreibt sich selbst die Fähigkeit zu, zu lesen, während sie auf dem Laufband läuft oder das Abendessen anbrennen lässt.